Nicht Werten

Justitia - nicht Vorverurteilen“Nicht werten” ist eines der Grundprinzipien im achtsamen Handeln und diese umzusetzen fällt mir persönlich am schwersten. Am Beispiel der Rosinenübung kann man verdeutlichen was gemeint ist:

  • die Rosine schmeckt mir gut => ist eine Bewertung
  • die Rosine schmeckt süss => ist eine Beschreibung

Was ist nun das Problematische an der Bewertung?

An sich ist die Bewertung nichts Problematisches, irgendwie musst du ja entscheiden, was dir schmeckt und was nicht. Problematisch wird es erst dann, wenn die Bewertung bereits geschehen ist, bevor die Empfindung bewusst bei dir angekommen und ausgewertet (sic!) ist. Wenn du vorher schon weisst, ob dir die Rosine schon schmeckt, brauchst du sie gar nicht mehr probieren, der ganze Vorgang wird belanglos und der Autopilot hat wieder die Steuerung übernommen.

Nicht Vorverurteilen

So gesehen ist „du sollst nicht werten“ missverständlich ausgedrückt, gemeint ist eigentlich „pass auf, dass du nicht zu schnell urteilst“. Dabei hilft zum Beispiel bewusst handeln und Jetzt! Hier! sein da dadurch ein Puffer zwischen die Empfindung und die Bewertung geschoben wird. Die Idee der gerechten Justitia, wie oben im Bild, verdeutlicht das meiner Meinung nach sehr schön.

Reiz – Reaktion

In der wissenschaftlichen Psychologie ist das schon lange bekannt: auf den Reiz (Rosine) erfolgt nicht unmittelbar die Reaktion (Bewertung) sondern dazwischen liegt immer das, was im Organismus (mir selbst) passiert und Ich kann achtsam sein – oder auch nicht.

Was hilft noch dabei?

Nach meiner Erfahrung helfen auch noch folgende Einstellungen dabei, einen Puffer zwischen Empfindung und Bewertung zu schieben:

  • eine neugierige Attitüde
  • nicht so tun als wüsste ich eh schon, wie ich’s finde
  • ehrliches Interesse

Viele Dinge bedürfen auch gar nicht der Wertung, ob du es toll findest oder nicht, dass dein Nachbar sich einen roten Ferrari gekauft hat, wird dein Leben nicht entscheidend beeinflussen…

 

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